

Mit nur zwei YouTubeVideos, diversen Features und einer Handvoll Reime katapultierte sich Mohamed El Moussaoui im vergangenen Jahr aus dem tiefsten Aachener Untergrund in das kollektive Bewusstsein einer ganzen Nation. MoTrip ist das, worauf seine Szene so lange vergeblich gewartet hat: Ein Rapper, der das Beste seiner Vorgänger in sich vereint – und dadurch etwas Ureigenes und auf überwältigende Weise Neues schafft. Nun erscheint sein Debütalbum „Embryo“ (VÖ 02.03.).
Geboren wurde MoTrip 1988 in Beirut, Libanon, jener Mittelmeermetropole im Mittleren Osten, in der vermutlich mehr Gegensätze aufeinander prallen als irgendwo sonst auf der Welt. Schon als Kind flüchtete er mit seinen Eltern vor dem wütenden Krieg ins bürgerliche Aachen, aber die Gegensätze und Widersprüche haben MoTrip nie losgelassen.
Auf die Musik von MoTrip übertragen bedeutet das: kantiger Straßenrap im Geiste von Queensbridge, Paris-Boulogne und Berlin-Kreuzberg. Aber mit einer Musikalität, Wortgewalt und Raffinesse, wie sie das Genre hierzulande noch nicht gesehen hat. Egal ob MoTrip „übers Schreiben schreibt“, die Illusion falscher Ideale, die missverstandene Macht des Schicksals oder die zerstörerische Kraft der Liebe.
So rappt MoTrip auf „Embryo“ von Familie und Freundschaft. Von Träumen und Glauben. Von gescheiterten Beziehungen und alltäglicher Unterdrückung und davon, warum man sich trotz allem nie davontragen lassen sollte wie eine Feder im Wind. Es sind klassische, große Themen. Aber MoTrip verzichtet dabei auf das hohle Pathos so vieler Kollegen. Die branchenübliche Herz/Schmerz-Logik ersetzt der bekennende Perfektionist durch tatsächlich prägnante Bilder, eine feine Singstimme und irr verschachtelte Reimstafetten.
Für ein Debütalbum klingt „Embryo“ erstaunlich ausgereift. Nachdenkliche Songs halten sich die Waage mit solchen, bei denen man einfach nur in den nächsten verfügbaren BMW springen, das Gaspedal durchdrücken und die Anlage bis zum Anschlag hochdrehen will. Mal löst MoTrip in seinen Hörern Gefühle aus, „die dich nachhaltig ändern wie der Frühling in arabischen Ländern“. Mal löst er sich selbst von der Schwerkraft und fliegt durch die Erdatmosphäre wie ein Astronaut auf einer Überdosis Adrenalin. Eindrucksvoll harmoniert dabei seine eindringliche, leicht nasale Stimme mit den ausgetüftelten Beats der Berliner Produzenten Paul NZA und Numarek.
Nox kommt aus Hannover und ist Schauspieler und Rapper mit deutschen Texten. Der MC Spax nahm ihn mit in das Rap-Operprojekt „Culture Clash“, in dem Nox die Texte mitschrieb. Später spielte und rappte er in einer NDR-Produktion in einer der Hauptrollen. Nox gründete die Crew MachDeinDing, die bereits Vorgruppe für Künstler wie M.O.P., Olli Banjo, Herr von Grau und Orgi 69 war. 2010 war er auf der CD „Wir mucken auf gegen Rechts“ neben Musikern wie Ärzte-Gitarrist Rod vertreten. Im selben Jahr reiste er für Niedersachsen zur Expo in China, um dort aufzutreten. Er spielte in „Die Utopiemaschine“, „Rheingold der Film“ und „The Beggar‘s Opera“ mit.
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