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Mittwoch
03.03.
2021

BOCK Tour 2021

SCHIMMERLING – verschoben auf 09.09.2021

Der Nachholtermin von Mai/August 2020 musste erneut verschoben werden. Das Konzert findet jetzt am 09.09.2021 statt. Tickets bleiben gültig.
LUX
VVK: 12 € zzgl. aller Gebühren 

Haltung. Gibt es die noch in der Rockmusik? Oder sind längst alle dem Charme der großen Hure Babylon erlegen? Fragt man Shimmoneq, fällt die Antwort eindeutig aus: Schimmerling, die Band, in deren Zentrum er als Sänger, Gitarrist und Texter steht, ist Haltung. Sein Gesang suggeriert nämlich mit jedem Ton, den er standesgemäß beseelt aus seinen Lungen presst, dass hier nicht bloß ein Sänger, sondern ein Rockstar um Erlösung von allen bösen Geistern in den Niederungen der deutschsprachigen Popmusik fleht.

Schimmerling. Die erste Zusammenkunft der fünfköpfigen Musikproduktivkraft fand analog, zwischen Pop-Reportage und Pop-Kritik in einer gut sortierten Bahnhofsbuchhandlung in Hamburg statt. Es roch förmlich nach Bandgründung in dem Laden. Shimmoneq erstand die New York Times, Gitarrist Hannes Donel die Grand Guitars, Bassist Niklas Tikwe den Musikexpress, Schlagzeuger Sebastian Rupio blätterte durchs Q Magazine und Keyboarder Alexander Roeseling trug die Süddeutsche unterm Arm. Ein paar diskutierte Bands, Kaffees und Cocktails später war die Verabredung zum gemeinsamen Musik-Ausloten geritzt. Die Schnittmenge passte und der Bandname wurde gewählt, weil er nicht mit Inhalten gefüllt ist. Noch nicht.

Politique. Den Begriff lässt man besser gleich in der französischen Schreibweise stehen, weil das Politische in der Schimmerling-Auffassung unbedingt sexy ist – dem Sinnlichen zugewandt. Da können die Quatschköpfe in den Plattenfirmen noch so bohrend um mehr gediegene Lieblichkeit bitten: Wenn der mögliche, zukünftige Vorsitzende einer großen Partei Rechtsextremismus mit Grenzkontrollen bekämpfen will, ist es schlicht nicht mehr zeitgemäß, die rhetorische Schalala-Kiste anzudrehen. Shimmoneq sagt: „Vergiss das Schielen auf den Erfolg prosperierender Acts, bei Schimmerling ist Wahrhaftigkeit keine Floskel.“

Musikalität. Fachleute, Freunde und Kollegen, denen das Glück zuteil wurde, Schimmerling bereits in the making gehört zu haben, bezeichneten die Musik als „kantig und ungehört in Deutschland“. Was immer das heißen soll. Klar ist: Selbst Shimmoneqs Gesang klingt musikalisch, eingebettet ins jeweilige musikalische Setting. Hier singt keiner im Stakkato gegen die Musik an, bei Schimmerling ist der Sänger die Snare-Drum, die der deutschen Sprache ihre Sperrigkeit nimmt – rhythmisch-feinjustiert und klanglich.

Sturm der Endorphine. Die Songs tragen groß auf, wollen raus, zu den Leuten, auf die Festivalbühnen, in die Stadien. Sie wollen mitgesungen werden, umarmen und knutschen. Sie sind stürmisch, ziehen übers Land wie lüsterne Gewitterwolken. Sie sind Jeansjacke, Philosophie, Schweiß, Choupette und Tiger, Hure und Heiliger Geist, Fleetwood Mac und Talking Heads, Aroma, Liebe, Muse und Springsteen, klug und wahnsinnig.

Das erste Mal. Die Schimmerling-Debüt-EP ist fertig. Viermal Ansage. Philosophia: Eine Moral und Hommage an die Schimmerling-Überzeugung. Nebenbei ist der Song auch noch all den Seifenbläsern gewidmet, die gerne performen, aber eigentlich keine Songs haben. Jäger: Ein Haus voller Egos. Es geht ums Aufräumen. Mit Polarisierungspotenzial. Rollenverständnisse? Liebe von gestern. Zimmer: Erotik. Der Moment bevor es geschieht. SOS: Du gehst gutgelaunt irgendwohin, dir werden schöne Augen gemacht und es ist unmittelbar klar, was in der folgenden Nacht geschehen wird.

Photocredit: Erik Weiss